Haus Fabian eingeweiht

Nach mehrmaligen Verschiebungen war es am Donnerstag, dem 4. Dezember 2025, endlich so weit. Das Haus Fabian mit sechs Wohnplätzen für die gleichnamige Intensivwohngruppe konnte endlich offiziell eingeweiht werden.

Der Ausbau des Hauses wurde nicht zu durch die Leser der OVB-Heimatzeitungen ermöglicht. Im Jahr 2018 ging ein Teil des Erlöses der OVB-Weihnachtsspendenaktion in Höhe von rund 409.000 Euro an das Vorhaben. Mit Unterstützung vom Nikolaus Helmut Hammerbacher und dem ABM-Orchester begrüßten Heimbeirat Tomas Naydenov und Herbert Prantl-Küssel, Leiter des Bereichs Wohnen, vormittags die offiziellen Gäste wie Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl, die stellvertretende Chefredakteurin Rosi Gantner sowie Partner aus dem kbo -Inn-Salzach Klinikum, und am Nachmittag dann Angehörige, künftige Bewohnerinnen und Bewohner sowie Mitarbeitende.

„Hier erleben wir kein Wohnen von der Stange, sondern Konzepte, die speziell für diese Gruppe neu erdacht worden sind“, betonte Vorständin Manuela Keml in ihrer Begrüßung. Der Balanceakt zwischen Wohnen mit höchsten Sicherheitsanforderungen für Bewohner und Mitarbeitende einerseits und einer gemütlichen Atmosphäre zum Wohlfühlen andererseits – und das alles im Rahmen des vorhandenen Budgets sei eine große Herausforderung gewesen. Entsprechend musste von dem Konzept auch der Bezirk als Träger der Baukosten wie auch die Architekten und die ausführenden Handwerker überzeugt und sensibiliert werden. Einen großen Dank richtete die Vorständin dabei an das Technikteam um Markus Dullinger, die in einer eigenen Runde die Fertigstellung des Gebäudes feierten.

Gruppenleiterin Karin Lewik bekam einen symbolischen Schlüssel überreicht von Manuela Keml, ein Körbchen mit Brot und Salz von Bereichsleiterin Petra Hageneder, die seit fast 30 Jahren das Intensivwohnen in der Stiftung Attl begleitet. „Wir haben mit großem Engagement und Herzblut begonnen und im Lauf der Jahre eine große Kompetenz aufgebaut; immer mit Blick auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und der Unterstützung von führenden Experten“, sagt sie. Der sogenannte „Werdenfelser Weg“ als rechtliche Absicherung bei der Arbeit, Teacch (eine strukturierte Methode zur Förderung von Menschen mit Autismus, die visuelle Hilfsmittel und klare Tagespläne nutzt), Skala der Emotionalen Entwicklung – Diagnostik (SEED), professionelles Deeskalationsmanagement, Körperintervention sowie die räumlichen Aspekte nach Professor Wolfgang Mahlke prägen die Arbeit Intensivbereich.

„In diesem Wohnkonzept gibt es Teilhabe mit Rückzugsmöglichkeiten“, betont Petra Hageneder. Sichtachsen erleichtern die Arbeit der Betreuer, und sogar an Dekomaterialien ist gedacht: Allerdings hinter bruchsicherem Glas. Ein abgeschlossener Eingangsbereich für Lieferanten, Rückzugsräume für die Mitarbeitenden sowie endlich genug Platz im Hauswirtschaftsraum und im Lagerbereich der Küche erleichtern die organisatorischen Aufgaben der Gruppe. Je zwei Bewohnerzimmer teilen sich eine abgetrennte Dusche und eine eigene Toilette. Zwei Zimmer verfügen über einen eigenen Nassbereich. Auch der Time-Out-Raum entspricht den Ansprüchen der Attler Leitung. Verstärkte Magnettüren, ein Dachfenster für Tageslicht, herausnehmbare Bodenmatten und ein Ablauf für Reinigungsarbeiten waren Wünsche von Petra Hageneder und ihrem Team.

Oberärztin Jeanette Hofmann vom kbo – Inn-Salzach-Klinik begleitet seit 17 Jahren die Intensivgruppen in der Stiftung Attl: „Ein Mensch ist keine Diagnose. Das Verhalten dieser Bewohner wird immer bestimmt von einem Bedürfnis. Unsere Aufgabe ist es, dieses Bedürfnis zu erkennen.“ Was nicht immer leicht sei, da diese Menschen ihre Gefühle oder auch Schmerzen kaum verbal ausdrücken können. Hofmann lobte die gute Kooperation zwischen Klinik, den behandelnden Hausärzten und den Mitarbeitenden sowie den Angehörigen. „Vor allem ihre Perspektive ist unverzichtbar für eine gute Behandlung.“
Seelsorgerin Ann-Kathrin Lenz-Honervogt segnete schließlich noch den Neubau, bevor er zur Besichtigung freigegeben wurde: „Manchmal braucht es Zeit, bis etwas erblühen kann.“ Sie hoffe, dass dies nun auch für die Bewohner gilt: Am 9. Dezember beziehen sie ihre neuen Zimmer und werden in den kommenden Monaten testen, ob die Konzepte wie gedacht aufgehen.